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Alfombras de Corpus Christi - Fronleichnam 2017 auf Teneriffa

Fronleichnam – das Hochfest des Leibes und Blutes Christi – ist einer der höchsten Feiertage der katholischen Kirche. Für die Tinerfeños und alle Canarios ist das Fronleichnams-Fest wohl eines der am tiefsten verwurzelten Feste. An diesem Tag haben sie die Möglichkeit, ihrer tiefen Gläubigkeit den meisten Ausdruck zu verleihen, was sie auf eine ganz besondere Art und Weise tun.

In vielen Städten und Gemeinden der Insel Teneriffa werden durch die Alfombristas (Künstler der Straßenteppiche) riesige Teppiche aus Sand und Blumen (Alfombras) auf die Straßen gezaubert. Alle samt von unglaublich großem künstlerischen Wert. Dies hat auf der Insel eine sehr alte Tradition, welche mittlerweile seit 170 Jahren lebt und jedes Jahr aufs Neue gelebt wird.

Die Geschichte

Das Fronleichnams-Fest wurde das erste Mal 1246 im Bistum Lüttich gefeiert und ist der heiliggesprochenen Augusten-Chorfrau Juliane von Lüttich zu verdanken. Papst Urban IV. erhob dieses Fest dann 1264, durch die Bulle Transiturus de mundo, zum Fest der gesamten Katholischen Kirche. Das Wort Fronleichnam kommt aus dem Mittelhochdeutschen, wo es vrône lîcham – vrôn für Herrn und lîchnam für Leib, hieß.

Mit der Eroberung Teneriffas durch die Spanier im Jahr 1496 begann auf der Insel, wenn auch mit zweifelhaften Methoden, die Missionierung der Guanchen (Ureinwohner Teneriffas). Zudem waren die neuen spanischen Siedler der Insel alle katholisch. Was einst aus einem Zwang entstand, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem tiefen Glauben und so wurde auch auf Teneriffa alljährlich das Fest des Corpus Chisti gefeiert.

Schaut man sich die Geschichte der Sand- und Blumenteppiche der Insel an so stellt man fest, dass diese keinen beabsichtigten Beginn hatte, sondern eher durch Zufall entstand.

Leonor de Castillo legte 1847 vor der Casa Monteverde (diese kann man bei einem Stadtrundgang durch Orotava noch heute sehen) das erste Mal einen Teppich aus Blumen auf die Straße. Sie lebte, als eine direkte Nachfahrin des spanischen Eroberers Fernando de Lugo, in hoch herrschaftlichen Adelskreisen und war jedem als eine große Künstlerin bekannt. 

Zu dieser Zeit konnte von Andächtigkeit keine Rede sein. Ganz im Gegenteil, denn die Feierlichkeiten rund um Fronleichnam waren, wie man heute sagen würde, zu einer großen, fast vulgär wirkenden Party, mit jeder Menge Ess- und Trink-Gelagen, verkommen. Von Gläubigkeit oder dem religiösen Gedanken war keine Spur mehr. Um aber genau dieses wieder in den Focus des Festes zu rücken, malte Leonor de Castillo, einer Intuition folgend, zu Ehren des Festes Corpus Christi, ein Bild auf die Straße vor ihrem Haus, dass sie mit bunten Blumen verzierte – der erste Fronleichnams-Teppich aus Sand und Blumen war entstanden und somit eine neue Tradition geboren. Im Laufe der Jahre wurden diese Teppiche immer größer und die Ornamente zeugten von stetig steigender graziler Kunst.

Die Alfombras heute

Heute sind die Teppiche aus Blumen und Sand weit über die Grenzen der Insel bekannt. Daher besuchen alljährlich tausende von Menschen genau um die Fronleichnams-Zeit die Insel, um die künstlerischen Aktivitäten und die fertig gestellten Werke der Alfombristas zu bestaunen. Oft wird die Arbeit der Künstler und die Entstehung der Teppiche live im Internet übertragen.

Hauptaktionspunkt dabei sind die riesigen Sandteppiche, die man eigentlich als ein großes Gemälde bezeichnen kann, vor dem Rathaus in La Orotava. Schon wochenlang vorher werden große Zelte aufgestellt unter denen die Künstler, die teilweise aus der ganzen Welt kommen, in mühevoller Kleinarbeit ein einzigartiges Gesamtkunstwerk aus buntem Sand, direkt auf dem Asphalt entstehen lassen. Die Zelte sollen dabei die Arbeiten der Alfombristas vor Wind und Regen schützen.

Für solch riesige Bilder, wie sie hier geschaffen werden, sind bis zu vier Tonnen Sand notwendig. Dieser darf, auf Grund einer Sondergenehmigung aus dem Naturschutzgebiet der Cañadas geholt werden. Der Sand hat ganz unterschiedliche Steinformationen und weißt rund 17 verschiedene Farbtöne auf.

Aber nicht nur Sand aus den Cañadas wird verwendet. Auch aus anderen Ländern wird Sand in die Asphalt-Gemälde integriert. Dies erstmals 2006, als tibetische Mönche mit Himalaja-Sand ein Mandala zum Gesamtwerk beitrugen. Auch Navajo-Indianer arbeiteten hier schon mit und kreierten ein grandioses Kunstwerk aus Amazonas-Sand.

2007 erlangte der Sandteppich vor dem Rathaus in La Orotava einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde. Er war ganze 859,42 qm groß und hatte das erste Mal in der Geschichte auch nichtreligiöse Motive – ein Hinweis auf die Flüchtlingsströme aus Afrika – zum Inhalt.

Alfombras de Corpus Christi

Um den Wert den die Alfombras von La Orotava für die Gemeinde und die ganze Insel haben zu verdeutlichen, wurden sie zwischenzeitlich als Kulturgut anerkannt.

Aber auch andere Städte und Gemeinden der Insel können mit herrlichen Sand- und Blumenteppichen die Augen und die Bewunderung der Einheimischen, Gäste und Besucher auf sich ziehen. So wird die alte Tradition der farbenfrohen Straßenmotive auch in Orten wie Tacoronte, Puerto de la Cruz, Los Silos, La Caleta de Interian, La Laguna, Candelaria oder auch in Adeje gepflegt.

Wer Lust hat, die wundervollen, einzigartigen und besonderen Kunstwerke zu bestaunen, der sollte dies am Vor- oder Nachmittag des Tages tun, an dem in dem jeweiligen Ort die Fronleichnam-Prozession stattfindet. Denn das, was hier geschaffen wurde, ist nicht für die Ewigkeit, sondern dient einzig als Gabe für das „Allerheiligste“, das während der Prozessionen durch die Straßen getragen wird.  Und so ist nach der Prozession von der Einzigartigkeit der einzelnen Bilder nicht mehr viel oder fast gar nichts mehr zu erkennen.

In La Orotava findet die Prozession am Sonntag, den 18.06.2017 um 18.00 Uhr statt. Infomationen über die Prozession in den anderen Ortschaften erhält man jeweils über deren Internetseiten. Zudem gibt es in La Orotava ein Museum, das Museo de las Alfombras, dass sich ganz den Künstlern und ihren Arbeiten gewidmet hat.

Aber die Tinerfeños begehen den Fronleichnahms-Tag auch auf andere Art und Weise. So u.a. in La Laguna. Dort findet am 15. Juni um 19.00 Uhr, der Umzug Diabolos y Tarasque statt. Zu diesem Ereignis hüllen sich die Stadt und ihre Bewohner in ein historisches Gewand und erwecken uralte Rituale und historische und ethnographische Bräuche und Sitten rund um das Fest Fronleichnam wieder zu neuem Leben.

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